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Ostdeutsch sein - was heisst das

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Mit Gastbeiträgen von Conrad Clemens, Marcel Dettmann, Ines Geipel, Sven Gábor Jánszky, Patrice G. Poutrus, Josa Mania-Schlegel und Sookee.







Ein Multimedia-Projekt von Das Erste, RBB und MDR
Digitale Umsetzung: Philipp von Nathusius
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Was heißt das überhaupt, ostdeutsch sein? Diese Frage zu beantworten, darum haben wir meinungsstarke Ostdeutsche gebeten. Ihre Biografien sind geprägt wie die von Millionen anderer vom massiven Umbruch Deutsche Einheit. Nur, wie berechtigt ist die Frage überhaupt im Jahr 30 nach der Wiedervereinigung? Sind Ost und West als Kategorien nicht hinfällig, schaffen sie gar neue Grenzen in den Köpfen?

In kurze Essays gefasst fließen in die Antworten Erinnerungen und Erfahrungen ein an die Zeit der DDR, die Zeit der Wende und an die Jahre danach; schöne wie hässliche. Doch der Blick geht nicht nur zurück. Die Autorinnen und Autoren bewerten das Hier und Jetzt im geeinten Deutschland, manche wagen einen Blick in die Zukunft. Es sind zutiefst persönliche Statements, subjektive Meinungen. Sie stehen stellvertretend dafür, dass es die eine ostdeutsche Sicht auf die Wiedervereinigung nicht gibt. 
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Conrad Clemens

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Marcel Dettmann

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Ines Geipel

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Sven Gábor Jánszky

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Patrice G. Poutrus

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Josa Mania-Schlegel

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Sookee

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Mehr zum Thema

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Letzte Generation Ost

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I got power, poison, pain and joy
Inside my DNA - Kendrick Lamar

Nicht so einfach, über eine Zeit zu sprechen, die einen geprägt hat: Schnell ist man dabei, persönlich Angenehmes zu verklären, Unangenehmes wegzulassen, Prägendes zu relativieren. Und schon gibt man der Geschichte einen ganz persönlichen Anstrich.

Wissenschaftlich gesehen werde ich der „Dritten Generation Ost“ zugeordnet. 3GO ist keine Boygroup oder Terrorgruppe und auch nicht der nächste Mobilfunkstandard. Die Zugehörigkeit ergibt sich dadurch, dass man im politischen Schlussakt eines Staates geboren wurde. Man vermutet bei den von 1975 bis 1985 in der DDR-Geborenen unter anderem eine besondere „Transformationskompetenz“.

Im Januar 1983 in Schönebeck an der Elbe zur Welt gekommen, ist der real existierende Sozialismus für mich in erster Linie erzählte Familiengeschichte: Meine Mutter, nicht die Schlechteste ihrer Klasse, durfte als selbstbewusste Christin in der Oberlausitz kein Abitur machen. Mein Vater wurde aus demselben Grund erst Buchhändler und kam als Wehrdienstverweigerer dann nur über Bildungsumwege zum Theologiestudium in Jena. Ein Onkel war bei den Protesten des Prager Frühlings dabei, ein anderer in der ersten frei gewählten Volkskammer.

Ich selbst sollte in der ersten Klasse nicht Pionier werden – als einziger in der Klasse! Diese (unfreiwillige!) Auflehnung hat das System anscheinend endgültig ins Wanken gebracht – zwei Monate später war’s vorbei.


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Viele DDR-Geschichten. Emotional alles sehr aufgeladen

Viele DDR-Geschichten. Emotional alles sehr aufgeladen

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Die Fakten zu 30 Jahren Wiedervereinigung können sich sehen lassen: Das BIP pro Kopf haben die Menschen in den neuen Ländern seit 1990 vervierfacht. Das verfügbare Haushaltseinkommen in Sachsen und Brandenburg liegt mittlerweile über dem im Saarland – weitere Westländer sollen folgen. Die Menschen im Osten leben nicht nur gesünder, sondern auch deutlich länger als noch 1990. Die Demokratiezufriedenheit liegt zwar niedriger als im Westen, aber dennoch bei hohen 80 Prozent. Der Freistaat Sachsen, für den ich arbeiten darf, steht nicht länger als Schlusslicht mit dem Rücken zu einer mittel- und osteuropäischen Wand, sondern schickt sich mit seiner ausdifferenzierten Wissenschafts- und Industrielandschaft im Halbleiter- und Fahrzeugbau sowie bei der Gesundheitsforschung an, wieder technologischer und auch sonst regionaler Partner für unsere östlichen Nachbarn zu sein.

Hinter den Zahlen und Entwicklungen stehen unendlich viele Geschichten, schreckliche Tragödien, herrliche Komödien. Aber gibt es eine einheitliche Erzählung nach der Friedlichen Revolution? Kann es sie geben? Vermutlich bin ich nicht der Einzige, der sich mit einer Antwort darauf schwertut. Genauso, wie es zahlreichen Landsleuten dies- und jenseits von Vogtland, Harz und Elbe schwerfällt, sich in die geschichtliche Ausnahmesituation und die darin abgebrochenen und begonnenen Lebenswege hineinzuversetzen.

Weder erscheint mir vor diesem Hintergrund der Versuch der Wiederbelebung einer ungebrochenen ostdeutschen Identität erfolgversprechend, noch kann ein verharmlosender Blick auf die DDR gutgehen, die einige als vom westdeutschen Kapitalismus erledigten Versuch der gesellschaftlichen Solidarität mystifizieren.

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Prägt uns die Ost-DNA noch heute?

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Ich ertappe mich selbst, dass ich mich natürlich freue, dass Ostdeutsche Kanzlerin, Tour de France Sieger oder (erst 2020) Richterin am Bundesverfassungsgericht werden können. Zeit ist’s! Und es bleibt ein notwendiges gesellschaftspolitisches Anliegen – viel mehr noch: eine Notwendigkeit und eine Frage der Vernunft, dass mehr Ostbiografien in der gesamtdeutschen Erfolgsgeschichte erscheinen.

Was mir dabei immer wieder durch den Kopf geht: Wo finden wir „Wendekinder“ uns in diesen Entwicklungen wieder? Prägt uns die Ost-DNA noch heute? Hat der 37-jährige „Ossi“ wirklich etwas, das der 37-jährige „Wessi“, dessen Eltern in den neunziger Jahren nach Dresden gekommen sind, nicht hat? Ist diese Kategorisierung heute für uns überhaupt noch relevant? Wird eine mögliche Ost-DNA weitergegeben oder gibt es eine letzte Generation Ost?

Ich selbst habe in den 30 Jahren nach 1990 ziemlich rastlos in Berlin, Frankfurt/Oder, Dresden und auch lange im Ausland gelebt. Für mich verbindet sich eigenes Erleben mit dem Blick in die Zukunft: Meine Ost-Geschichte ist ein Baustein dafür. Sie ist aber nicht mein Schicksal, weder im Positiven noch im Negativen.

Wir sollten unseren Blick nicht auf die Geschehnisse von 1990 verengen und dieses Jahr zum konstitutiven Zeitpunkt für jedwede Transformation verklären. Sicher, die Wiedervereinigung war eine Zäsur für viele und vieles. Aber gesellschaftliche Wandelprozesse haben auch schon davor ihren Lauf genommen: Die Zahl nicht-ehelicher Bindungen stieg auch schon zur DDR-Zeit, während die Geburtenrate nach unten ging. Der Drang nach demokratischer Beteiligung und Partizipation fanden ja gerade in der Friedlichen Revolution von 1989/90 und auch in den anderen friedlichen Umbrüchen im Ostblock ihren Höhepunkt – und er ist auch heute in zahlreichen Ländern noch oder wieder hochaktuell. Oder schauen wir auf die Umwelt- und Klimaproblematik: erneuerbare Energie, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind offenkundig keine Erfindung des Einigungsvertrages, sicher auch nicht der Grünen (den Begriff der „Nachhaltigkeit“ hat der sächsische Oberberghauptmann von Carlowitz bereits vor mehr als 300 Jahren beschrieben, eine Umweltbewegung gab es schon in der DDR (und den ersten FCKW-freien Kühlschrank entwickelte die Ost-Firma Foron!).

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Wir haben etwas zu erzählen, das andere so nicht erzählen können

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Umweltzerstörung, Demografie, Rechtsstaatlichkeit, Individualisierung als gesellschaftlicher Stresstest: Das alles sind Herausforderungen, die uns schon länger begleiten. Und mit Corona erlebt quasi die gesamte Welt in seltener Gleichzeitigkeit erneut eine wuchtige Krise, die unsere Wandel- und Anpassungsfähigkeit ziemlich eindeutig auf die Probe stellt.

Und hier kommen wir ins Spiel: die Erstklässler aus Frankfurt (Oder), Zittau, Bernburg oder Rerik in den letzten Monaten der DDR. Und unsere Transformationserfahrungen. Ob wir aus den Erfahrungen „wandlungskompetenter“ hervorgegangen sind? Bleibt abzuwarten.
Manch einer hat die Friedliche Revolution nicht verkraftet, aber die allermeisten haben es gut überlebt und einen unschätzbaren Erkenntnisgewinn erlebt: Wir haben etwas zu erzählen, das andere so nicht erzählen können. Es ist wichtig, dass wir uns um eine deutliche Stimme bemühen und dass sie auch gehört wird.

Es ist wichtig, dass wir die gewonnenen Freiheiten als Chancen nutzen und nicht im Rückblick auf Unfreiheit verharren. Ich freue mich, wenn jede Erzählung aus den Tagen, als unsere Eltern mit uns neue Wege einschlugen, zu mehr Selbstbewusstsein und zur Freude an Beteiligung, an Führung mit Verantwortung und an Veränderung wächst. //

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Conrad Clemens arbeitet als Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund. Zuvor war er Landesgeschäftsführer der CDU Sachsen in Dresden und Bundesgeschäftsführer der Jungen Union in Berlin. Er ist 1983 in Sachsen-Anhalt geboren.
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Zwischen Zusammenhalt und Perspektivlosigkeit

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„Ostdeutsch sein“ – in erster Linie bedeutete das für mich immer: Es gibt keine Religion. Und gleichzeitig bedeutete es auch: Doch, es gibt eine! Nämlich dieses Gruppen-Gefühl, das ich aus der DDR kannte.

Denn eigentlich war die damalige Religion, dass man mit Menschen zusammenlebte und zusammenarbeitete und gemeinsam eine gute Zeit hatte. Gleichzeitig gab es natürlich schon immer Randgruppen und Freigeister, die sich nicht einfügen wollten. Als Kind habe ich diese Unterschiede nicht verstanden. Mir wurde ja auch beigebracht, sich in eine Gruppe zu fügen, sei eine ganz tolle Sache. Ich hab‘s versucht, aber merkte gleichzeitig, dass mir nicht klar war, was eigentlich meine Perspektive in diesem Land – in der DDR – sein sollte. Das Bewusstsein darüber, sich überlegen zu müssen, wo der eigene Platz ist, wuchs in dieser Zeit.

Und dann kam die Wende – und alles war auf einmal komplett anders.

Aber es heißt nicht, auf einmal wäre alles möglich gewesen. Das Gefühl glich eher einer Überforderung: Oh Gott, was ist jetzt los?
Die neu gewonnene Freiheit war erstmal auch eine Form der Perspektivlosigkeit. Ich war noch sehr jung, vor meinen Augen änderte sich alles – zum Beispiel das Schulsystem. Schule war so gar nicht meins, Stillsitzen und mir Dinge in den Kopf prügeln konnte ich nie. Mit der Wende wurde das alles auf den Kopf gestellt. Man musste sich sofort – so wie es einem zu DDR-Zeiten erzählt worden war – für eine Gruppe entscheiden, um dazu zugehören: rechts oder links.

Das habe ich nie verstanden und auch damals nicht gekonnt. Ich geriet zum Außenseiter – ein Freak, ein Alien, der Typ, den man immer gefragt hat: was ist denn jetzt deine Meinung?

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Plattenspieler oder Mofa?

Plattenspieler oder Mofa?

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Eine anfängliche Unsicherheit, aus der ich aber lernen konnte, dass ich meine Entscheidungen in Möglichkeiten umwandeln kann und plötzlich gelang mir das. Ich bekam Chancen, die ich in einer fortbestehenden DDR sehr wahrscheinlich nicht gehabt hätte – und dafür bin ich immer noch sehr dankbar.

Heute glaube ich: Wäre das alles nicht passiert – Wende, Nachwendezeit – ich wäre vermutlich Polizist geworden und würde Judo für Kinder unterrichten. Was man damals halt irgendwie so gemacht hat.

Erst mit der Wende fing ich an, mich für Musik zu interessieren. Als Jugendlicher entdeckte ich: Musik ist eine universelle Sprache. Mit Musik lässt sich jedes Gefühl transportieren und verarbeiten. Und die Musik bot plötzlich auch eine Perspektive. Ich sagte mir: "Okay, in diese Richtung willst du arbeiten und Geld verdienen“. Nur in welcher Form das gehen sollte, war noch nicht klar. Irgendwie hatte ich wohl schon immer einen gewissen Spaß daran, anderen Menschen meinen Musikgeschmack aufzudrängen. Deshalb fiel die Entscheidung nicht schwer, als die Frage aufkam, wofür ich mein Geld der Jugendweihe ausgeben will: Mofa oder Plattenspieler?

Die ersten Partys im Jugendclub fanden statt - so lief das mit dem Techno: eine Anlage hinstellen und laut Musik machen. Dann setzte eine Zeit ein, die es bestimmt auch an anderen Orten gab, aber sicher fühlte sie sich nirgends so an, wie in Berlin.

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Freiheitsschlag: Techno in (Ost-)Deutschland

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Freiheitsschlag: Techno in (Ost-)Deutschland

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Ich habe diese Zeit und dieses Gefühl vor allem in Berlin, aber auch in Leipzig, Dresden und ein Stück weit in Städten wie Frankfurt/Oder und Cottbus und Rostock erlebt: Ostdeutschland ist die Welt meiner Jugend und diese Ost-Städte, ihre Architektur, das Lebensgefühl dieser Orte, da denke ich mir heute noch: „Wow!“

Techno ist meine Art von Musik, die ich hier lieben gelernt habe, die in diesen Städten stattgefunden hat – dieses roughe, schnelle und industrielle. Das ist nicht nur so eine Sache – das ist ein Lifestyle! Den bewundern mittlerweile Menschen überall auf der Welt. Für viele andere, auch international, ist das bis heute noch ein Thema: der Mauerfall, meine DDR-Vergangenheit und diese Musik. Das spielt alles zusammen. Und wenn das alles nicht so und mit einer derartigen Intensität passiert wäre, dann würde ich heute keinen Text dazu schreiben.

Es war eine wilde Zeit hier in Deutschland und für mich hat sich irgendwann herauskristallisiert, dass genau dies auch mein Weg war, den ich jetzt noch immer gehe. Für mich notwendig, um am Leben zu bleiben, um wach zu bleiben. Meine Frau sagt dazu: „Du hast dir die Challenge ja ganz bewusst ausgesucht.“

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Die Schönheit des Ost-Deutschen

Die Schönheit des Ost-Deutschen

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Mein „Ostdeutsch sein“ ist natürlich auch nicht weit von dem entfernt, was es bedeutet, ein Teil von Deutschland zu sein – das weiß ich heute, nachdem ich diesen ganzen Weg bis hierher gegangen bin. Dennoch: Es gibt sicher ein paar klassische Dinge, die ich von meinen Eltern und Großeltern übernommen habe und die bis heute geblieben sind.

Deutschland ist wiedervereint – seit 30 Jahren! Ost- und Westdeutschland gibt’s trotzdem noch, genauso wie es Bayern, Hamburg und Brandenburg oder Christen, Muslime und Buddhisten gibt. Ich finde das toll, für mich macht das Deutschland aus. Und wenn ich lange weg war, merke ich, hierher nach Hause zu kommen, macht mich sehr glücklich. //

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Der Autor

Marcel Dettmann, geboren in Pößneck (Thüringen), aufgewachsen in Brandenburg zwischen Berlin und Frankfurt/ Oder, war früher DDR-Meister im Judo und ist heute international erfolgreicher DJ und Produzent. Mit Techno hat er seinen Weg durch die Welt gefunden. Dettmann bewegt sich damit heute als ein „Gesicht des Berghain“ zwischen internationaler Club-Szene und Familienidylle in Berlin.
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Mein Ostdeutschsein

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Immer Ende August, wenn das Licht gen Herbst dreht, laufe ich aus dem Osten weg. Dann geht mein Flucht-Ich auf Erinnerung und will noch einmal über Ungarn in den Westen. Sommer 1989: das tagelange Warten in Budapest, der Vorortzug Richtung Sopron, mein Hasten durch den Grenzwald, die Angst. Das Ankommen da, wo ich nicht willkommen war.

Der Westen wollte den Osten nicht. Er war vollständig, die Revolution unnötig. Noch dazu war man sich über die Zeit hin zum stabilen Feindbild geworden. Wozu daran rütteln? Es stand doch fest, schien auf ewig gemacht. Schon deshalb hört sich das Dauerlamento von der Kolonisierung, den Abgehängten, der Übernahme des Ostens, das mittlerweile zum Kern einer neuen Identitätsschule Ost geworden ist, in mir sturzfalsch an. Es ist ein Konstrukt, eine bequeme Denkblase und stellt die Verhältnisse auf den Kopf.
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Meine einschneidendsten Erfahrungen haben mit dem Osten zu tun

Meine einschneidendsten Erfahrungen haben mit dem Osten zu tun

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Mein Ostdeutschsein hat auch nach 30 Jahren Mauerfall noch eine raue Haut, ist eine Wunde. Vielleicht sollte ich der Einfachheit halber sagen, es ist in Bewegung, in Unruhe. In ihm existiert nicht der direkte Weg von A nach B, gibt es nicht den einen abgeklärten Satz. In ihm gibt es die Freunde, Begegnungen, Themen, Texte. In ihm gibt es Landschaften, die nicht schöner sein könnten: die Ostsee, der mecklenburgische Himmel, der Thüringer Wald. Städte, die real und zugleich innere Landschaften sind: Berlin, Dresden, Jena. Das ist Herkunft, Prägung, eigene Geschichte. Ich bin von da. Meine einschneidendsten Erfahrungen haben mit dem Osten zu tun. Sie bleiben drin. Das ist so. Unhintergehbar. Aber Prägung ist auch Bindung. An etwas, das da ist, auf sich besteht und das zerrt, weil es vom Grundsatz her nicht gut ist. Es ist nicht einfach, darüber zu schreiben. Wir hocken mitten in der Geschichte. Es kommt rasch zu Missverständnissen. Irgendwann haben wir angefangen, immer komplizierter über uns zu sprechen. Es ist ja kompliziert. Warum nicht sorgsam miteinander umgehen.

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Ein schwarzes Loch










Luftaufnahmen des Cospudener Tagebaus bei Leipzig 1990. Heute befindet sich an dieser Stelle das Naherholungsgebiet Cospudener See.
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Ein schwarzes Loch

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Ohne Frage ist der Osten nach 1989 komplett umgebaggert worden. Er hat sich gehäutet und völlig neu aufgestellt. Ohne Frage sind wir heute alle in einem anderen Ostdeutschsein unterwegs, in einer eigenen inneren Baggerlandschaft. Aber das aufgelassene Erbe des Ostens findet keinen Ort, keinen Konsens-Punkt. Es bleibt ein schwarzes Loch. Warum eigentlich? Was fehlt, ist noch immer die historische Zuordnung. Was fehlt, ist der wirkliche Blick auf die ostdeutsche Erfahrungswucht, die offenbar auch deshalb beliebig überschrieben werden kann. Es herrscht ein nahezu heilloses Tohuwabohu.



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Das Bild der Baggerlandschaft und die vielen Bilder in ihr. Hoyerswerda, Rostock Lichtenhagen, Mügeln, Köthen, Clausnitz, Freital, Heidenau. Einer Studie zufolge ist es für Asylsuchende zehnmal gefährlicher in Ostdeutschland zu leben als im Westen. Der NSU, die Gruppe Freital, das Inferno Cottbus. Wir haben zu zählen gelernt, setzen Gewalt ineinander, als sei sie einzig ein endloser Bilderstrom. Wir richten uns ein, mit grassierendem Rassismus im Osten, mit rechter Gewalt, mit Neid und Hass, als sei all das da wie das Wetter. Sie sind die lauten Einheitsgewinner.
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Friedensnobelpreis für die Ostdeutschen

Friedensnobelpreis für die Ostdeutschen

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Doch wohin mit all den explosiven, verstörenden, toxischen Suchbildern? Wie weiter? Worauf verständigen wir uns als Gesellschaft? Was ist unser No-Go? Mein Vorschlag: Für ihre schöne Revolution sollten die Ostdeutschen den Friedensnobelpreis erhalten. Sie haben eine Revolution gemacht, die die Welt verändert hat. Es ist der glücklichste Moment der deutschen Geschichte. Etwas, das Frankreich, Kanada, Neuseeland liebend gern kapern würden. Denn wer hat das schon zu bieten?

Mein Ostdeutschsein will, dass daraus so etwas wie Gewissheit und Stolz entsteht. Dass es uns gelingt, unsere so mürbe machenden destruktiven Kraftfelder zu überwinden. Dass wir den Opfern der ostdeutschen Diktatur endlich die Hand reichen. Dass auch die in Ostdeutschland zu Hause sind, die erst 1993 in Spanien oder etwa 2002 in Marokko geboren wurden. Sie sollen sich nicht abgewiesen fühlen müssen, weil sie in Leipzig oder wo auch immer im Osten zu hören bekommen, ihr Kommen sei eine Art kultureller Aneignung.

Schön, dass ihr da seid!
//

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Die Autorin

Ines Geipel ist Schriftstellerin, Professorin an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« und war zu DDR-Zeiten Leistungssportlerin. 1989 floh sie nach Westdeutschland und studierte in Darmstadt Philosophie und Soziologie. Sie war Nebenklägerin im Prozess gegen die Drahtzieher des DDR-Zwangsdopings und erkämpfte zwei Hilfsfonds für die Opfer des DDR-Sports. Darüber hinaus hat sie das „Archiv der unterdrückten Literatur der DDR“ aufgebaut und vielfach dazu veröffentlicht. Sie publiziert immer wieder zu nervösen deutsch-deutschen Themen. Zuletzt erschien ihr Buch „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass“.
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"Bin ich wirklich Ostdeutsch"

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Bin ich wirklich ostdeutsch? So oft ich diesen Satz gehört habe, so oft habe ich ihn bisher verdrängt. Was soll diese Frage? Natürlich! Ich bin 1973 mitten im kalten Krieg geboren, in Budapest aufgewachsen und kam mit sechs Jahren in meine Heimatstadt, die ostdeutscher nicht sein konnte: Karl-Marx-Stadt. Allerdings glaubt mir das heute kaum Jemand. Ich leite das größte, unabhängige Zukunftsforschungsinstitut Europas. Ich halte Vorträge vor Vorständen der großen westdeutschen Unternehmen und fertige ihnen ihre Zukunftsstrategien. Dass ihre Zukunft aus dem Osten kommt, glaubt dort am Anfang niemand.

Mein eigenes Bild des Ostdeutsch-Seins passt also so gar nicht zu dem Bild der Medien über die Ostdeutschen. Diesen medientypischen, jammernden Transferempfänger, der lieber nach Führer und Staat ruft, als selbst Verantwortung zu übernehmen, gibt es in meinem persönlichen Bekanntenkreis genau einmal. In Zahlen: ca. 0,5 Prozent. Ich mache jede Wette, dass der durchschnittliche Westdeutsche eine deutlich höhere „Jammer-Ossi“-Quote in seinem westdeutschen Bekanntenkreis hat.

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Positiver Größenwahn
















Video: Montagsdemo in Leipzig. Beitrag "Vom Kirchturm gefilmt" - tagessschau vom 10.Oktober 1989
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Positiver Größenwahn

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Für mich beginnt meine Ost-Identität im Jahr 1989, als in Leipzig zehntausende Menschen um den Innenstadtring laufen und etwas erreichen, von dem die Regierungen in Washington, Paris und Bonn ganz genau wissen, dass das überhaupt nicht geht: die Gesellschaftsordnung eines Staates zu stürzen. Mein Ostdeutsch-Sein ist seitdem dieser „positive Größenwahn“, sich Dinge vorzunehmen, von denen alle anderen Menschen denken, dass sie unmöglich sind. Vielleicht ist es kein Wunder, dass ich mich dem Weltveränderungs-Größenwahn des Silicon Valley und seinem Motto Make the world a better place! näher fühle, als mancher westdeutschen Großstadt. Vielleicht spiegelt sich hier auch jene Traurigkeit, mit der ich unserer verpassten Chance nachhänge, weil wir es damals nicht geschafft haben, unsere Welt zu einem Better Place zu machen, sondern nur zu einem Same Place.

Ostdeutsch zu sein, ist für mich aber auch das Wissen um die Anpassungsfähigkeit des Menschen. Westdeutschen Freunden, die sich ahnungslos nickend unsere Ostgeschichten anhören, sage ich oft:
„Stell Dir vor, in Deutschland würde morgen das chinesische Gesellschaftssystem eingeführt. Nicht mehr die individuelle Selbstentfaltung wäre das höchste Gut, sondern das Einordnen des Einzelnen ins Kollektiv. Nicht mehr Angebot und Nachfrage regeln Deine Berufsaussichten, sondern die Zentralregierung. Nicht mehr die täglichen Negativ-Nachrichten deutscher Medien prägen Dein Weltbild, sondern die Positiv-Meldungen der Partei. Und Du müsstest binnen 3 Monaten verstehen, wer hier etwas zu sagen hat, welche Regeln es gibt und wo Dein Platz in diesem fremden Land ist!“
Kaum jemand will sich das heute noch ernsthaft vorstellen. Aber wir Ostdeutschen haben genau das getan. Wir haben am eigenen Leib erlebt, dass die wichtigste Fähigkeit des Menschen seine Anpassungsfähigkeit an die Veränderungen seiner Umwelt ist.

Ja, es stimmt: Nebenwirkungen dieser Anpassung sind auch Demonstrationen, Radikalisierung und die Sehnsucht nach demagogischen Führern mit einfachen Antworten. Aber auch hier beschreiben die heutigen Alarm-Nachrichten der Medien nicht meine ostdeutsche Erfahrungswelt. Wer, wie ich, Anfang der 90er Jahre bei jedem Umsteigen von Neonazis über den Leipziger Hauptbahnhof gejagt wurde; wer täglich mit einer Schreckschusspistole im Hosenbund an die Universität ging, weil er die Erfahrung gemacht hatte, dass dir dieses Ding etwa zehn Sekunden Vorsprung bei der Flucht vor Bomberjacken in Leipzig-Reudnitz und Grünau verschafft, wer jahrelang in echter Angst gelebt hat, der stellt heute bei den üblichen Kommentaren zum angeblichen Rechtsruck einfach nur das Radio leiser. Ostdeutsch zu sein bedeutet für mich auch, dankbar zu sein für den „Linksruck“ der letzten 30 Jahre in allen Teilen der Gesellschaft, am stärksten vermutlich in der CDU.

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Komplett die Orientierung verloren

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Doch das wichtigste Gefühl meiner ostdeutschen Identität gehört den Neuanfängen: Ich habe in den 47 Jahren meines Lebens drei Situationen erlebt, in denen ich mein Leben radikal neu erfinden musste. Das erste Mal war eine typische Mauer-Familiengeschichte: Als ich sechs Jahre alt war, weigerte sich mein ungarischer Vater mit seiner Familie von Budapest in die DDR umzusiedeln. Sein Lebenstraum war eine Reise nach Amerika. Hinter der Mauer hätte er diesen Traum wohl begraben können. Also entschied er sich für seinen Traum und gegen mich. Von einem Tag auf den anderen war ich der „Mann“ in der Familie: ein Sechsjähriger ohne Vater, ohne Freunde, der in der sozialistischen Schule immer mit diesem fremden, ungarischen Akzent sprach.

Mein zweiter Neuanfang war die Wende, in der ich und alle Menschen um mich herum, binnen weniger Monate komplett die Orientierung verloren. Und mein dritter Neuanfang war schließlich selbstgewählt, als ich mit 28 Jahren sowohl meinen Job, als auch mein komplettes bisheriges Leben „kündigte“, weil ich glaubte, dass die Welt noch mehr für mich zu bieten haben müsste.

Viele meiner ostdeutschen Freunde kennen diese Neuanfänge aus eigener Erfahrung. Und sie alle wissen, dass das Leben nach jedem Neuanfang ein Besseres wird. Es sind die Progressiven und Entschlossenen meiner Generation, die inzwischen vielerorts an Schlüsselstellen der deutschen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sitzen. Wer so tiefgreifende Neuanfänge erfolgreich gemeistert hat, den prägt eine gewisse Angstlosigkeit. Inmitten all der heutigen Angstmacherei in Politik und Medien ist das interessant. Denn meine Generation Ostdeutscher hat keine Angst. Weder vor den Russen, noch vor den Chinesen, und auch nicht vor Corona.
 
Ich gehöre zur letzten Generation, die den Sozialismus wirklich noch erlebt hat. Vermutlich werde ich irgendwann auch einer der letzten sein, die verstehen können, warum meine Großeltern nach dem Krieg diesen sozialistischen Traum aufgebaut haben – den Traum von einer gerechteren Welt als dem Kapitalismus. Ich habe Hochachtung vor meinen Großeltern für ihren Traum und für ihren Aufbauversuch. Und dennoch habe ich persönlich genug von Ideologien. Ich trete nie wieder in eine Partei ein. Ich stelle nie wieder meinen Namen in den Dienst einer Ideologie oder Partei. Und ich werde nie wieder einen Menschen aus ideologischen Gründen verdammen, nicht die Russen, nicht die Chinesen, nicht Pegida-Anhänger oder AfD-Demonstranten.


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Aufgewachsen in einem Land, in dem Wahlen nichts geändert haben

Helmut Kohl bei seinem ersten Wahlkampfauftritt im Osten im Jahr 1990 auf dem Erfurter Domplatz.
Helmut Kohl bei seinem ersten Wahlkampfauftritt im Osten im Jahr 1990 auf dem Erfurter Domplatz.
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Ich bin 16 Jahre lang aufgewachsen in einem Land, in dem Wahlen nichts geändert haben. Und ich lebe heute in einem Land, in dem Wahlen nichts ändern. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist gut, dass es Wahlen gibt. Sie sind ein wichtiges, demokratisches Korrektiv. Aber sie ändern eben nicht den Lauf der Welt. Deshalb interessiere ich mich kaum für Nachrichten in Tagesschau & Co., sondern stattdessen für die weltbesten Technologie-Blogs. Deshalb habe ich den Journalismus als Beruf und damit die gedankliche Orientierung auf die Politik in Berlin und Washington aufgegeben. Deshalb beschäftige ich mich als Zukunftsforscher mit den Technologieentwicklern in Silicon Valley und China. Dort werden heute jene Entscheidungen getroffen, die die Welt verändern. Kurioserweise finde ich dort mehr von meiner Art der ostdeutschen Identität, als zuhause in Berlin, Hamburg oder Leipzig. //

Helmut Kohl bei seinem ersten Wahlkampfauftritt im Osten im Jahr 1990 auf dem Erfurter Domplatz.
Helmut Kohl bei seinem ersten Wahlkampfauftritt im Osten im Jahr 1990 auf dem Erfurter Domplatz.
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Der Autor

Sven Gábor Jánszky ist Chairman des 2b AHEAD ThinkTanks in Deutschland, Präsident der internationalen „RULEBREAKER Society“ sowie Gründer und Geschäftsführer zweier Investment-Beteiligungsgesellschaften. Er coacht Vorstände und Unternehmer in Strategieprozessen, führt Innovationsprozesse zu Produktentwicklung und Geschäftsmodellen der Zukunft.
Mit seiner Frau und drei Kindern lebt er heute in einem kleinen Dorf zwischen Berlin und Leipzig und war früher einmal Vize-Jugend-Mannschafts-DDR-Meister im Schach.
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Meine Lebenswende

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Bis 1989 waren die DDR bzw. Ostdeutschland Dreh- und Angelpunkt meines Lebens. Ich wurde hier geboren und wuchs in der Nähe der Berliner Mauer auf. In Ostberlin ging ich zur Schule und absolvierte meine erste Berufsausbildung als Elektronikfacharbeiter. Ich fühlte mich in dieser Zeit dem SED-Staat stark verbunden und war deshalb stolzer Thälmann-Pionier und erhielt die Jugendweihe.

Mit 18 Jahren wurde ich Mitglied der SED und diente von 1981 bis 1984 als Unteroffizier der NVA. Während der Militärzeit gründete ich mit meiner Jugendliebe eine Familie. Wir wurden sehr bald Eltern von zwei Söhnen und erhielten vom fürsorglichen Staat relativ zügig eine Wohnung. Meine Frau studierte an der Humboldt-Universität und wurde Lehrerin, ich hauptamtlicher Funktionär der FDJ, zuerst in meinem Ausbildungsbetrieb, dem VEB Werk für Fernsehelektronik und dann in der Berliner Bezirksleitung der FDJ.

Spätestens seit dem Militärdienst entstand bei mir aber auch die Vorstellung, dass eine verbesserte, reformierte und schließlich demokratische DDR auf die Dauer eine derart bedrohliche Grenze nicht mehr brauchen würde. Aus vielerlei Gründen endeten meine Bemühungen um eine bessere DDR in trügerischen Versuchen als Jungendfunktionär „Schlimmeres zu verhüten“ und dabei möglichst anständig zu bleiben. Ob mir das gelang, mag und kann ich nicht zweifelsfrei beurteilen. Schon deshalb nicht, weil ich bis heute die möglichen Folgen meines Tuns als junger Kader des SED-Staates nicht vollends übersehen kann und mein vermehrtes Wissen über die DDR-Geschichte diese Zweifel nicht ruhen lässt.

Das Jahr 1989 war für mich in mehrfacher Hinsicht eine schwere Enttäuschung. Durch die gefälschten Kommunalwahlen und die öffentliche Zustimmung der SED zum Massaker auf dem Tianʼanmen-Platz in Peking wurde unübersehbar, dass mit der Führung des SED-Staates keine der überfälligen Reformen erreichbar waren. Mit der stetig anwachsenden Ausreisebewegung in die Bundesrepublik und den sich steigernden Massenprotesten wurde mir allmählich klar, dass es mit der Partei- und Staatsführung der DDR keinen reformierten Sozialismus geben konnte. Schließlich offenbarte die lange geforderte und dann überraschend vollzogene Öffnung der Grenzen am 9. November 1989, dass der SED-Staat keinerlei Souveränitätspotenziale mehr besaß.

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Bittere Lektion

Bittere Lektion

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Die Führung der SED konnte nicht mehr regieren wie bisher und die ostdeutsche Bevölkerung wollte auch nicht mehr so regiert werden wie bislang. Das aber war laut kommunistischer Revolutionstheorie das untrügliche Kennzeichen für eine revolutionäre Situation. Dennoch hatte ich das so nicht kommen sehen; ich habe das so auch nicht wirklich gewollt und war deshalb Ende 1989 tief enttäuscht – enttäuscht vom real existierenden Kommunismus, von der DDR (als vermeintlicher Alternative zur Bundesrepublik) und vor allem von mir selbst. Ich gehörte nicht zu den Siegern der Geschichte, wie ich es noch in der Schule, beim Militär und in der SED gelernt hatte und mir immer auch wünschte und sich einzugestehen, dass nicht nur das Politbüro der SED gescheitert war, sondern auch meine Hoffnung auf eine bessere DDR, war eine bittere Lektion.

Es brauchte einige Zeit, bis ich sie annehmen konnte. Irgendwann am Anfang der 1990er Jahre verließ ich die SED, die ihren Namen inzwischen mehrfach gewechselt hatte. Im Winter 1989/90 begann ich wieder in meinem alten Ausbildungsbetrieb zu arbeiten. Wahrscheinlich hätte ich diese Arbeit, wie viele tausende andere Ostberliner, bald verloren. Aber bevor es dazu kam, begann ich 1990, mit 29 Jahren, Geschichte und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu studieren, denn mit dem Ende des SED-Staates waren die früheren Zulassungsbeschränkungen aufgehoben und so schien der Weg für einen Neuanfang frei.

Was folgte waren fünf Jahre wirklich tiefgreifender Veränderungen für mich und ebenso für meine Familie, die wir nicht ohne Furcht, Schmerz und Verlust überstanden haben, aber wir sind letztlich doch gut durch diese schwierige Zeit gekommen. Aus all dem Erzählten wird hoffentlich auch deutlich, dass für mich nicht die Deutsche Einheit, sondern in erster Linie der Herbst 1989 der zentrale Einschnitt in meinem Leben war.

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Zwischen „Wir sind das Volk!“-Rufen ein Schild: „Ich bin Volker“














tagesschau vom 4. November 1989
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Verschiedenheiten sind kein Makel

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Ich wurde letztes Jahr dann auch gefragt, an welches Plakat von der Demo am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz ich mich erinnere. Da fielen mir einige ein, aber mit ungebrochener Freude erinnere ich den Mann, der zwischen den „Wir sind das Volk!“-Rufen ein Schild hochhielt, auf dem stand: „Ich bin Volker“. Nicht mehr verpflichtet zu sein, für eine Partei, für eine Klasse, für einen Staat, für ein Gesellschaftssystem oder auch für eine Utopie zu sprechen, das war und ist für mich der besondere Moment von damals und davon komme ich nicht mehr los.

Und ich bin sogar überzeugt, dass Ossis wie Wessis nur aus dem Teufelskreis von Opfermythen und Menschenfeindlichkeit ausbrechen können, wenn endlich die vorhandenen Verschiedenheiten nicht mehr als Makel betrachtet werden.
Schon in der DDR machte es einen Unterschied, ob Frau oder Mann aus Ost-Berlin, aus dem Thüringer Wald, der Sächsischen Schweiz, der Börde, dem Havelland, dem Oderbruch, von der Mecklenburger Seenplatte oder der Ostsee kam und das ist heute in Ostdeutschland kaum anders.

Von den politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Differenzen mag ich nicht anfangen zu sprechen. Besonders bedrückt mich in diesem Zusammenhang, dass bei der Rede von „den Ostdeutschen“ alle jene Menschen nicht vorkommen, die von hier geflohen sind oder auch verjagt wurden, egal welche Staatsbürgerschaft sie besaßen oder besitzen. Wie ich auch nicht erklären will, dass „die Wessis“ wohl nicht mehr als eine wohlfeile Projektion ist. All die hier angedeuteten regionalen und gesellschaftlichen Unterschiede existieren nicht weniger in den Ländern der „alten Bundesrepublik“.

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Die Verhältnisse waren, sind und bleiben kompliziert

Die Verhältnisse waren, sind und bleiben kompliziert

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Vereinfachungsangebote wie Generation, Volk, Religion und Kultur führen letztlich wieder nur zu der unweigerlich rassistischen Frage nach der Abstammung eines Menschen und erklären nicht den Aufstieg der rechtsradikalen AfD, sondern orchestrieren diesen lediglich.
Also wenn ich heute ein Plakat malen sollte – und auch danach wurde ich gefragt – dann würde darauf stehen: „Ich bin Citizen Patrice. Kommt klar, ihr einfältigen Patrioten!“
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Der Autor

Patrice Poutrus, geboren in Ostberlin, erst Elektronikfacharbeiter, heute Zeithistoriker und Migrationsforscher. Er setzt sich mit DDR-Geschichte und Migrationsgeschichte gleichermaßen auseinander, promovierte über den Zusammenhang zwischen Herrschaftssicherung und Konsumentwicklung in der DDR, war Fellow am Simon Wiesenthal Institut für Holocaust Studien in Wien und lehrt heute an der Universität in Erfurt.
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Ich bin sauer auf meine Generation: Warum sprechen junge Ostdeutsche nicht offen aus, dass sie benachteiligt sind?

Vor einer Weile spürte ich die Wut wieder. Ich saß in einer Leipziger Kneipe und beobachtete wie die Kellnerin hinter dem Tresen immer wieder neue Biere und Schnäpse einschenkte. Sie stellte sie den etwa gleichaltrigen Jungs auf der anderen Seite hin.

Es war nicht die Szene an sich, die mich wütend machte. Es hat ja etwas Harmonisches, wie sich Schnaps- und Biergläser immer wieder leeren und füllen. Wütend machte mich, dass es hier wieder einmal eine junge Ostdeutsche war, die arbeitete. Und es junge Westdeutsche waren, die Geld ausgaben.

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Seltsamerweise wird über diese Ungleichheit wenig gesprochen

Seltsamerweise wird über diese Ungleichheit wenig gesprochen

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In der Kneipe war also eine alte Ungleichheit sichtbar geworden, von der man zurzeit wieder häufig hört, dass es sie bald nicht mehr gebe: diejenige zwischen Ost und West. Es war zu erkennen, dass sie sich in meiner Generation, der um den Mauerfall geborenen Nachwendegeneration, fortsetzt: Mit prekären Ostdeutschen, die arbeiten müssen. Und wohlhabenden Westdeutschen, die sich um Geld keine Sorgen machen müssen.

Seltsamerweise wird über diese Ungleichheit wenig gesprochen. Ich glaube, dass sich das ändern muss. Die jungen Ostdeutschen, die um die Mauerfalljahre geboren wurden, müssen den Mund auf machen.

Ich will das nicht, weil ich mir eine neue Generation „Jammerossis“ wünsche. Sondern, damit eine ostdeutsche Utopie gerettet wird: Eine Welt, in der Geld nicht alles ist.

Die erste Hürde, das Schweigen zu durchbrechen, besteht darin, dass es immer jemanden gibt, der sagt: Nicht alle jungen Westdeutschen starten mit mehr Geld ins Leben, als es Ostdeutsche tun. Tatsächlich ist es aber so, jedenfalls aller meistens. Und die jungen Westdeutschen können das häufig, ohne dafür etwas getan zu haben: indem sie erben.

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Jeder fünfte Erbe einer westdeutschen Familie startet mit 100.000 Euro in sein Leben

Jeder fünfte Erbe einer westdeutschen Familie startet mit 100.000 Euro in sein Leben

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Das lässt sich mit Zahlen belegen. Im vergangenen Jahr nahmen die Bundesländer im Osten 200 Millionen Euro an Erbschaftssteuern ein. In den westdeutschen Ländern waren es 6,5 Milliarden Euro. Es gibt sechs Mal so viele Westdeutsche, aber zusammen erben sie 32-Mal mehr als wir. Jeder fünfte Erbe einer westdeutschen Familie startet mit 100.000 Euro in sein Leben. Unter uns Ostdeutschen können das nur sieben Prozent tun. Wenn sich Familien über Geld verkrachen, dann liegt das daran, dass sie Geld haben – und im Westen streitet man sich laut einer Studie etwa doppelt so häufig ums Erbe wie im Osten.

Natürlich lebt es sich dort, wo Viele nichts haben, billiger. Wo keiner nachfragt, da wird auch nichts angeboten. Man kann sich deshalb bis heute in vielen ostdeutschen Städten noch recht billig zwischen Dielen und Stuck einrichten. Man braucht hier auch nicht unbedingt Geld, um sich zu verwirklichen. In Städten wie Leipzig gibt es leerstehende Häuser, in die sich junge Künstler für einen symbolischen Betrag ins Erdgeschoss einmieten. Auf den Vernissagen gibt es dann Flaschenbier gegen Spende. Die Macht des Geldes wird mit der Kunst der Improvisation aufgehoben.
Der Osten ist also eine kleine Welt geworden, in der Geld nicht unbedingt alles ist. Er ist, an manchen Tagen, eine Utopie. Er stellt etwas dar, das sich beispielsweise Verfechter des Grundeinkommens vorstellen, wenn sie sagen, dass Menschen dann über sich hinauswachsen, wenn sie nicht arbeiten müssen – sondern können.

Ich bin dafür, dass diese Welt der Menschen, die kein Geld haben, erhalten wird. Das geht aber nur, wenn wir sie als Utopie anerkennen. Und sie vor dem Geld beschützen, das immer mehr Zuzügler unüberlegt mitbringen und ausgeben. Ja: Geld kann schaden!

Beispielsweise in Leipzig wohnt es sich immer teurer. In einem Stadtteil wie Connewitz sind die Mieten in den letzten sieben Jahren um fast die Hälfte gestiegen. Die Stadt wird damit immer weniger Zufluchtsort für Menschen ohne Geld. Schließlich lassen sich leerstehende Erdgeschosse nur dann billig anmieten, wenn es niemanden gibt, der sie auch teuer anmieten würde.

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Ich bin nicht wütend auf die Westdeutschen. Was können sie schon dafür, in eine heile Welt hineingeboren zu sein?

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Dass Leipzig teurer wird, bedeutet, dass es immer weniger ostdeutsch wird. Aus dieser Perspektive wird dann auch die Kneipenszene, bei der die Ostdeutsche die Westdeutschen bedient, weniger harmlos – denn sie findet in den seltensten Fällen andersherum statt. Während sich der westdeutsche Student von seinem Erbe ein Haus kaufen kann, muss der ostdeutsche Student hoffen, dass die Mieten nicht steigen, um sie weiterhin von seinem Barjob bezahlen zu können.

Nein, ich bin nicht wütend auf die Westdeutschen. Was können sie schon dafür, in eine heile Welt hineingeboren zu sein? Wütend macht mich die Teilnahmslosigkeit der Nachwendegeneration. Wir Ostdeutschen sind seltsam still, wenn es um diese ungleiche Verteilung geht. Das merkt man an der Euphorie, die losbricht, wenn man doch einmal darauf hinweist.

Vor einer Weile tat ich das. Ich beschrieb, auf Twitter, die Kneipenszene vom Anfang des Textes. Ich bin dort seit zehn Jahren aktiv, aber so viele Reaktionen bekam ich noch nie. Die Like und Herzen kamen fast alle von Ostdeutschen. Westdeutsche Accounts reagierten wütend, einer schrieb, ich sei „undankbar“. Und meine Freunde, die noch nie im Osten waren, schickten mir Nachrichten, ob ich ihnen den für sie rätselhaften Tweet einmal erklären könne.

Neulich twitterte jemand anderes: „Westdeutsche Studentin in Leipzig versteht das Problem Einheimischer mit Gentrifizierung nicht, weil ‚es ist doch spottbillig, deswegen bin ich ja hergekommen‘, wird aber von Vati gesponsert.“

Es sind nur zwei Tweets, mit einem Abstand von Monaten. Aber manchmal wird genau so eine kleine Welle losgetreten. Dann hätte die Utopie eine Chance. //

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Der Autor

Josa Mania-Schlegel ist Journalist und Nachwendekind. Er wuchs in Weimar auf. Seine Themen sind Ostdeutschland, Popkultur und Politik. Er spielte Schlagzeug, machte Musikvideos und beobachtet auf Twitter nicht nur das Leben in Leipziger Kneipen aufmerksam. Nach Stationen bei der ZEIT und Krautreporter arbeitet er seit Mai als Reporter der Chefredaktion bei der Leipziger Volkszeitung.
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Ich komme aus einer Familie sogenannter Dissident*innen. Meine Eltern haben unter dem Dach der Kirche in der DDR versucht sich geistige und politische Freiräume zu ermöglichen. Der Staat antwortete darauf mit Berufsverbot, Repression, Knast. Sie waren nicht weitläufig organisiert, waren keine namhaften Protagonist*innen der Widerstands-Szene. Aber sie haben Freiheitsentzug für ihre Ideale in Kauf genommen. Daraus resultierend bestand die reale Gefahr, dass meine Schwester und ich in ein Heim hätten kommen können.

1986 wurde dann endlich ein Ausreiseantrag bewilligt und es gab ein Zeitfenster, innerhalb von 24 Stunden das Land zu verlassen. Wäre uns das nicht geglückt, hätte wieder eine Inhaftierung gedroht, denn vor der Ausreise wurde meinen Eltern die Staatsangehörigkeit entzogen. Sie wären auf realsozialistischem Boden staatenlos gewesen. Die Konsequenz daraus: Inhaftierung.

Aber meine Eltern haben es geschafft. Die ersten Monate nach der Übersiedlung verbrachten wir in einem Notaufnahmelager in West-Berlin. Ich, damals zweijährig, durchlebte meine ersten Kindheitserinnerungen, während meine Eltern gegenüber den Alliierten-Behörden glaubhaft vermitteln mussten, dass sie keine Spionagetätigkeit beabsichtigten.
Als Grundschülerin waren Gauck und Mielke vertraute Namen, während Gleichaltrige eher wussten wer die Kelly Family und Michael Jackson waren. Ich lachte über Wortverdreher wie Stasel-Spitzi und Zuschreibungen wie Besserwessi. Bis heute vergeht keine Begegnung mit meinem inzwischen 71-Jährigen Vater, ohne dass die SED-Diktatur thematisiert wird.

Auch meine Mutter hat sich einen gesunden Mangel an Obrigkeitshörigkeit behalten, der sie als 14-Jährige dazu brachte aus der FDJ auszutreten und drei Jahre später die Biermann-Resolution zu unterschreiben. Bis heute fühlt sie den satten, durchindividualisierten Westen, den sie kennenlernte, als sich der Kapitalismus jenseits der Mauer um sie herum auftürmte.

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Kein Pionierhalstuch, aber Baggy Pants.

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Faktisch bin ich mit bundesdeutschen Annehmlichkeiten groß geworden. Der Verlauf meiner Berufsbiographie war – im Gegensatz zu denen meiner Eltern – losgelöst von meiner Einstellung gegenüber dem Staat und seinen Organen. Kein Staatsbürgerkundunterricht an der polytechnischen Oberschule, stattdessen Handarbeit, Werken und Eurythmie an der Waldorfschule. Kein Pionierhalstuch, aber Baggy Pants. Humana und H&M statt Intershop. Redefreiheit, Pressefreiheit, Reisefreiheit.

Aber Teile der Erfahrungen meiner Eltern leben in mir weiter. Zwar nicht das Misstrauen gegenüber meinen Nächsten als Konsequenz aus der Überwachung durch die Staatssicherheit und der Schmerz des Verrats durch Kolleg*innen und Familienangehörige. Aber die Enttäuschung über die autoritäre Form des Realsozialismus im trotz allem immer noch sozialistischen Herz wiegt schwer.

Es ist nicht leicht, das verständlich zu machen, aber ich bin latent traurig darüber, dass die DDR es so dermaßen verkackt hat. Die große Idee von der Gleichheit der Menschen, von Emanzipation, Freiheit und Solidarität, die Herauslösung aus Armut und Unterdrückung, die Überwindung des Kapitalismus so grundlegend zu verraten - das muss eine Gesellschaft erst einmal schaffen. Ein weiteres Beispiel dafür zu werden, dass Aufrichtigkeit und gerechte Verteilung als funktionierende Prinzipien dem Menschen nicht möglich ist. Dass einige sich - große Reden schwingend - an den anderen bereichern. Dass sie lügen, diffamieren und autoritär ausgrenzen, töten sogar. Und das alles unmittelbar nach der Erfahrung des Holocaust.

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Rassismus-Problem im Osten zur eigenen Imagepflege

Rassismus-Problem im Osten zur eigenen Imagepflege

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Als antifaschistischen Staat hat sich die DDR verstanden und war nicht viel besser in den Prozessen der Entnazifizierung als die BRD. Zwar gehörte die Völkerfreundschaft zum zu verinnerlichenden Repertoire des gesellschaftlichen Selbstverständnisses, aber die rassenideologisch argumentierte Fremdenfeindlichkeit hatte vier Jahrzehnte Zeit zu einem Rassismus zu werden, der Bürger*innen ostdeutscher Städte und Gemeinden, die schon lange keine Fremden mehr waren, mit Vernichtungsphantasien zu überziehen, als hätten 16 Millionen Menschen nicht die Hand zum Gruß an die Stirn geführt. Und so wie die BRD drauf war, hat sie das Rassismus-Problem im Osten auch eher zur eigenen Imagepflege instrumentalisiert. Der dumme Ossi. Früher war er Bauer, im VEB und im Kopf, heute ist er arbeitslos und Nazi. Haha.

Natürlich hat das wiedervereinigte Deutschland von Bonn aus nichts dagegen getan außer christlich anmutend eine Lichterkette zu bilden. Für eine tatsächliche Bekämpfung dieser Situation hätte sich der Westen ja mit seinem eigenen Nationalismus auseinandersetzen müssen. Insofern ist der 3. Oktober auch für mich kein Grund zum Feiern. Die deutsche Einheit ist vor dem Hintergund von Rostock-Lichtenhagen über NSU bis Hanau für mich eher ein Schreckensszenario, kein Ort, an dem ich gelebte Demokratie lieben lernte.

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Ost schon – deutsch nicht

Ost schon – deutsch nicht

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Womit ich mich also heute identifiziere, wenn ich von “ost schon - deutsch nicht” spreche, dann ist das das Potenzial des Sozialismus. Die Solidarität, der Zusammenhalt, das Kollektive, der Erfindungsreichtum, die Kreativität, die Gewitztheit, die Nachhaltigkeit, die Freiheits- und Menschenliebe. Also all diejenigen Qualitäten, die wahre Sozialist*innen in der DDR trotz der DDR zu kultivieren suchten. Aber ganz sicher nicht das Heimatministerium, von dem aus Abschiebungen angewiesen werden, der Verfassungsschutz, der Unterlagen zur Aufkärung an den Morden an zehn Menschen schreddert, die Warenförmigkeit des Lebens in der Leistungsgesellschaft, die Millionen von Menschen zugunsten von Profiten in den Burnout treibt, während das Renteneintrittsalter immer weiter steigt – also das Deutschland, das sich heute als Spitze der demokratischen Zivilität inszeniert. // 
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Sookee - Q1
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Die Autorin

Sookee, geboren 1983 in Mecklenburg-Vorpommern. Von 1986 bis 2019 in West-Berlin, heute wieder im Osten – in Brandenburg – lebend. Feministische Antifaschistin, Musikerin, Mutter.
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